Törnbericht
Von Dresden in die Boddengewässer
27.06.2005 - 16.08.2005
| Die Mannschaft: | Eva und Lothar Blüher vom Segelclub Dresden - Wachwitz e.V. |
| Das Boot: | 15er Jollenkreuzer "Pit 3" |
Die Reiseroute im Boddenbereich:
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| Legende: | Rot: Hinfahrt | Blau: Rückfahrt |
| 1 | Frauenort (Vorort von Stettin) | 13 | Ralswiek im Jasmunder Bodden |
| 2 | Ziegenort (Polnische Ausklarierungsstelle) | 14 | Bucht südlich von Neuendorf (Hiddensee) |
| 3 | Dargen (Vereinshafen) | 15 | Inselseitenarm östlich der Meininger Ponton- und Drehbrücke |
| 4 | Usedom (Stadt) | 16 | Ribnitz (Ribnitz-Damgarten) |
| 5 | Bucht hinter Loddiner Höft | 17 | Siehe 15 |
| 6 | Bucht östlich von Zempin | 18 | Barhöft |
| 7 | Wolgast | 19 | Greifswald |
| 8 | Insel Ruden | 20 | Schilfbucht nach Zecheriner Brücke |
| 9 | Seedorf | 21 | Ückermünde |
| 10 | Lauterbach | 22 | Siehe 2 |
| 11 | Stralsund | 23 | Stettin (Marina am Stadtkai) |
| 12 | Kloster auf Hiddensee |
Die Hinfahrt
Der erste Tag war nur Packerei bei schönstem Sommerwetter (Ausrüstung, Kleidung und persönl. Utensilien, Benzin, Wasser, Verpflegung möglichst für die ganze Zeit u.s.w.). Abends noch Plausch mit Sportfreunden an Bord. Dafür ging's dann nach ruhiger Nacht am Wachwitzer Steg tatsächlich am nächsten Tag um 9:15 bei Westwind zuerst 1-2 später 3-4 Bft. unter Segel los - also Kreuz bis Hafen Mühlberg - mit Selbstwendefock kein Problem. Hafen Mühlberg leider neuerdings ohne Sportsteg. Dafür am Schiffsanleger seitlich festgemacht mit Anker achteraus (aber erst nachdem wir den samt vertüterter Leine über Bord gegangenen Anker nach halbstündiger Suche mit verlängertem Staken wieder an Bord hatten).
Mittwoch, 29.07. "leise" aufgestanden, allein abgelegt und gemotort, weil kein Wind - dafür viel Sonne. Frühstück und Mittag unterwegs - so schafften wir es mit kurzem Tankzwischenstopp im Hafen Kleinwittenberg (erster Schiffsanleger links + 7 Minuten Fußweg) bis Stromkilometer 232 (kurz vor Coswig) und machten rechts in einer Buhne im weichen Feinsand fest.
Der Wetterbericht kündigt Unwetter an - stimmte nicht, dafür war am nächsten Tag anfangs Segelwind um Ost mit 2 Bft. was für 50 km reichte - dann bei leichtem Nieselregen bis zur Marina Schönebeck (km 314) mit Motor und unter Verdeck gefahren und im nicht schönen, aber geschützten Hafenbecken (hohe Spundwände und gegenüber ein Schrottladekai) festgemacht.
Am nächsten Tag zuerst eine Motordurchsicht, dann Mittagessen und Schwatz an Bord mit Rudi Morgenstern (er war auf dem Weg zu einem Ostseetörn - und "guckte mal kurz von oben über die Spundwand" - toll!) und noch ab 14:00 mit Motor (läuft "wie Hanne" und lädt auch wieder - dachten wir, also Kühlbox an) durch die Magdeburger Stromschnellen. Hier wurden wir mit festlich geschmückten Ufern, Böllerschüssen und 2000 Luftballons begrüßt (Magdeburg feierte den Tag Sachsen-Anhalt). Später konnten wir noch bis kurz vor Rogätz segeln, um wieder in einer sandigen Buhne eine sehr ruhige Nacht zu verbringen.
Am Sonnabend letzter Elbetag mit NW 1..2 Bft. noch 20 km gesegelt, später mit Motor und vor Schleuse Parey Mast gelegt. Am gleichen Tag ging's so noch bis zu den Brandenburger Seen (ab Brücke Kirchmöser gesegelt), spät nachmittags Familientreff an der gastfreundlichen Malge (geschützte Bucht, Gaststege und Gaststätte) und zur Nacht vor der Insel Kienwerder geankert und hier nach Schwatz mit Udo (motorbootender Exverwandter - ein prima Kerl) todmüde ins Bordbett gefallen. Brandenburg heißt für uns Familientreffen, und so war der Sonntag zuerst mit Überfahrt in den Segelverein Medizin Brandenburg im Quenzsee (Udo's Club), Schwatz mit Segelfreunden und Udo, sowie einer späteren verwandtschaftlichen Geburtstagsfeier in Brandenburg, wo wir als Überraschungsgäste eingeladen wurden, voll ausgefüllt.
Montag, 04.07.05 - nach Benzinkauf an der nahe gelegenen Tankstelle mit gelegtem Mast in den Silokanal, durch die Brandenburger Schleuse und die landschaftlich wunderschöne langsam fließende Havel (leider genau Gegenwind - also blieb der Mast liegen) weiter bis nach Ketzin in den langweiligen einsamen Havelkanal (die Potsdamer und Berliner Seen ließen wir wegen unserem Fernziel Bodden "links", eigentlich rechts, liegen) und verkrümelten uns in Höhe Birkenwerder hinter einer Insel in einem kaum befahrbaren dicht bewaldeten Seitenarm einer Insel - schattig und geschützt - Unwetter waren erneut angekündigt, um mit Bug am Ufer und Heckanker die Nacht zu verbringen. Diesmal stimmte der Wetterbericht insofern, dass es dann tatsächlich mit dem Morgengrauen zu regnen anfing und das den ganzen Tag - wir nahmen's erst mal gelassen. Schleuse Lehnitz fast schon traditionell mit langer 3-stündiger Wartezeit (Sportboote werden i.d.R. mit langen Wartezeiten hinter der Berufsschifffahrt regelrecht gestapelt - meist mit entsprechenden Folgen). Weiter im aus der Schleuse quellenden Pulk den Oder-Havel-Kanal entlang, aber ab Abzweig Vosskanal fast allein (die meisten wollen ja in die Mecklenburger Seen). Also den i.d.R. geraden Oder-Havel-Kanal weiter zum Schiffshebewerk Niederfinow. Kurze Wartezeit, festmachen am hölzernen Beckenrand des Troges und dann geruhsam 36 m in die Tiefe mit 12 cm/sec. - danach hatte Eva keine Angst mehr - sie war mit ihrer Höhenangst erstmals in einem Hebewerk. Mit letztem Benzin, nahender Dämmerung (es regnete ja immer noch) ab Oderberg abgebogen in die alte Oder Richtung Bad Freienwalde. Das enge bewachsene Fließ zog und zog sich (ich hatte den im Wasserwanderatlas wechselnden Kartenmaßstab übersehen. Dazu noch auf halber Distanz plötzlich Verbot für Motor - weiter und nach zwei falschen Auskünften von Anglern abseits in einem Vorort von Bad Freienwalde aber an einer mir bekannten Brückenbaustelle gelandet.
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Nach mehrmals missglückten Anläufen doch noch mit Schwager und Schwägerin getroffen und mit Auto nach Polen Benzin holen. Spät abends (nachts) bei Ihnen zu Hause vorzüglich gespeist. 23:45 haben wir dann an Bord die leicht klammen Decken über die Ohren gezogen (Regen, Regen).
Mittwoch, der 06.07.05 sollte dafür ein geruhsamer und schöner Tag werden - trotz Regen. Wir wurden mit Auto abgeholt, erledigten notwendige Einkäufe, bestaunten die lange bis Freienwalde reichende Autoschlange zur Polengrenze, besuchten und bestaunten das Schiffshebewerk Niederfinow noch mal aus Fußgängersicht und versorgten uns mit Info-Material, besuchten die ehemaligen Heimatdörfer von Eva, verbrachten den Nachmittag auf dem Paschenberg (die schöne Aussicht war durch den Regen getrübt - nicht aber unsere Stimmung bei Kaffee, Kuchen und Eis) und konnten abends im Garten der Verwandtschaft sogar wieder erste Sonnenstrahlen am Himmel begrüßen.
Der folgende Tag begann mit Glück im Unglück - ich fand mit geborgtem Kescher meinen bei der sorglosen Reinigung über Bord und im Schlamm versunkenen Kopf des elektrischen Rasieraperrates wieder. Nach herzlicher Verabschiedung von den Verwandten und den freundlichen Gastgebern - wir hatten mangels öffentlicher Anlegemöglichkeit an einem Privatgrundstück festgemacht - tuckerten wir durch das mit Krautresten durchsetzte Wasser (4 x Schraube reinigen - wie sich später herausstellte muß vor uns der Wasserschutz gefahren sein) bis Oderberg zurück und vertäuten uns an der gepflegten Marina Oderberg (2 km nach Oderberg). Nachmittags holten uns die ehemaligen Lehrlingskolleginnen und heutigen Freundinnen von Eva ab, um im Garten, Wassergrundstück an besagter Alter Oder, einen feucht-fröhlichen, gemütlichen Abend zu verbringen.
Freitag, 08.07.05 - noch kühl und neblig, später sonnig - bis zur Ostschleuse der Oder getuckert, durch und dann waren wir erstmals auf dem Grenzfluß Oder. Der langsam fließende (ca 2..3 km/h) und fast so wie die Elbe breite Fluß verlockt zum Segeln. Also Mast stellen, aber der zu schwache SSW um 1 Bft. ließ uns nach ca 10 km unser Vorhaben aufgeben. An der nächsten Brücke und den folgenden bis zum Dammschen See (Polen) ist überall der Mast im Weg und so blieb er unten - gut so. Die Grenzkontrolle in Widuschowa rechts verlief mit der Kontrolle der PA zügig. Die mit Schildern angebotenen Sportbootliegemöglichkeiten am polnischen Flussufer luden nicht zum Verweilen ein. Ein Stück fehlendes Kartenmaterial zwischen Wasserwanderatlas binnen und Seekarten (dankenswerterweise von Johannes Adam zur Verfügung gestellt) hatte zur Folge, dass wir unbeabsichtigt auf dem Dammschen See landeten, statt in Stettin. Mit GPS (somit erstmals in Nutzung) suchten wir unseren Standort und den Weg zur nächstmöglichen Ausfahrt Richtung Stadt und Marina. Wir landeten in Frauendorf, einem nördlichen Vorort von Stettin - die hier haltende Straßenbahn verlockte uns nicht zur Fahrt in die Stadt - wir wollen auf der Rückreise Stettin besuchen. Gewitter grummeln in der Ferne und wir verbringen den Abend wie meistens mit warmen Abendbrot, Kartenspiel und Nascherei in unserer gemütlichen Kajüte. Vor uns liegt nun der eigentliche Boddentörn - wir sind erwartungsfroh, aber wegen des Wetters auch ein wenig unsicher.
Segeln auf großen Flächen - der Boddenbereich
Sonnabend, 09.07.05 - 9:30 wird mit gestellten Mast abgelegt und es geht vorerst mit Motor über den Hauptschifffahrtsweg nach Norden, später unter Segel bei NW 1..2 Bft. weiter, um dann am Pier der Grenzkontrolle in Ziegenort anzulegen und auszusklarieren (nur PA erforderlich, alles andere wird abgefragt und in den PC eingetippt - Bootskennung, woher, wohin, Signalpistole). Wegen aufkommenden Gewitters wird im öffentlichen Hafen verholt. Die Fahrt zur etwas versteckt liegenden Wassertankstelle in einem Fischereibecken wurde abrupt von einer Berliner Motorjacht gestoppt - er fuhr ohne Warnung mir direkt vor den Bug. Nach riskantem Ausweichmanöver erst rechts, dann links volle Drehung, gab er mir auf meine ungehaltene Frage was das soll die "freundliche" Auskunft, dass vor mir noch eine andere wartende Motorjacht (lag vertäut 30 m vor der Tankstelle!- war wirklich nicht erkennbar) dran wäre und wörtlich "wir Sachsen das anders ja nicht verstehen würden" - hat man Töne? Der anschließende Bummel zur eigentlichen Marina und anschließend durch Ziegenort lenkte uns ab, obwohl außer einer Hochzeit in der Dorfkirche nichts Sehenswerte da war - es geht noch sehr ärmlich hier zu. Der Zollbeamte meldete sich noch mal sehr freundlich und gab uns zu verstehen, wenn wir heute nicht fahren, müssten wir morgen noch mal ausklarieren - o.k. Eva gab dem Eigner einer Milionenyacht einen Korb - er hatte uns zur Besichtigung eingeladen. Genug von Ziegenort.
Am nächsten Morgen nach der wiederholten Grenzkontrolle gleicher Prozedur 9:30 ausgelaufen auf's Stettiner Haff - mein Gott ist das groß! Wo ist das gegenüberliegende Ufer? - Richtung Zollboot. Es soll an Tonne 17 der Grenze mitten im Haff liegen, und bei NW 3, später 4 Bft. hoch am Wind gegen die zunehmenden Wellen, gerefft nach Kompass gesegelt. Nach 2 Stunden sichteten wir es, bisher ziemlich allein, tauchten nun immer mehr Sportboote auf und in Zollbootnähe wurde es riskant - jeder machte seine Manöver, um mit möglichst wenig Fahrt sich im Wellengang zu nähern. Abgefragt (gebrüllt) wurden Bootsname und Anzahl der Besatzung, dann wurde die Weiterfahrt zugewinkt. Man sagt, dass das Umgehen dieser Kontrolle eine kostenpflichtige Suchfahrt eines kleinen schnellen Motorbootes zur Folge hat. Sinn und Unsinn dicht beieinander. Wir machten uns hoch am Wind (nach GPS bis 6,7 kn) weiter in Richtung Ufer mit ablandigem Wind (für uns heißt das weniger Wellen) und landeten im Vereinssportboothafen von Dargen gegen 15:00. Außer dem Hafenmeisterehepaar war niemand da und so hatten wir für 7 Euro unseren Hafen allein, gepflegt, windgeschützt, aber ohne jeglichen Service - gut das wir wenigstens eine Toilette mit Speicher an Bord haben. Ein abgebrochener Spaziergang zum nächsten Dorf (4 km) und ein erfrischendes Bad im Haff waren deshalb die einzigen Höhepunkte, bevor wir unser abendliches Bordleben absolvierten.
Sonne weckt uns und wir machten nach gemütlichem Frühstück (das bereite ich immer leise vor und wecke Eva, wenn Kaffee und aufgebackene Brötchen dampfen) auf die kurze nur 13 km lange Etappe nach der Stadt Usedom. Der NO 3..4 Bft. brachte uns raumschots z.T. auf 6,8 kn - wir sind stolz auf unser Schifflein. Zum Stadthafen muß man noch durch ein ca 3 km langes Fließ mit Motor (sicherheitshalber, da unbekannt) und wurden gegen 11:30 vom stellv. Bürgermeister - half als Hafenmeister aus - begrüßt und brauchten wegen fehlendem Service (eigentlich war nur die Sanitäranlage noch im Bau) nichts bezahlen. Mittag in der Hafenkneipe - sehr gut, sehr preiswert - dann Stadtbummel (verträumt, man gibt sich viel Mühe, aber eben etwas abgelegen das Städtchen). Der Hafen füllte sich und außer bei uns (zu klein) lag dann alles im Päckchen.
Früh zeitig wurden wir durch Dieselauspuffgase geweckt und als ich nach einiger Wartezeit zwangsläufig aufstand und den Nachbarn bat solches zu unterlassen, wurde ich wiederum als mäkelnder Sachse beschimpft. Was soll's, dafür lachte uns die Sonne und ein NO 1..3 Bft. ließ uns einen herrlichen Segeltag erleben. Vom Stettiner Haff in den Peenestrom, vorbei am Rest des ehemaligen Eisenbahnviadukt's zur Zecheriner Brücke. Bei unserer Annäherung (Segel + Motorvollgas) schloss sie aber vor uns (die Öffnungszeit war um eine Stunde vorverlegt). Also Mast kurz mal umgelegt und weiter unter Segel. Eine nachfolgende Zeese hatte es genau so erwischt - wir sahen sie nie wieder. Unser Segeltag endete nach 46 km im Achterwasser in einer Bucht hinter dem Loddiner Höft am Anker. Der Abend klang mit einem Bad und der Beobachtung der Tiere (Höhepunkt war für uns ein Biber) aus.
Mittwoch, 13.07.05 - Achterwassertag - leider anfangs mit N 1..0 Bft. und viel Sonne, später auf 4 auffrischend, so besegelten wir diesen Boddenbereich zwischen Neppermin im Südosten bis Zinnowitz im Nordwesten und da uns dieser Hafen nicht gefiel wieder zurück bis zu einer Ankerbucht östlich von Zempin, wo wir geschützt aber mit mehreren anderen Yachten uns die Bucht teilten.
Schwül und warm, dafür wieder fast windstill begann der nächste Tag. Trotzdem unter Segel Anker eingeholt und mit Kurs Peenestrom vor Wind (ca. 1 Bft.) das Achterwasser gequert. Bei etwas zunehmenden Wind mussten wir aber dann im Peenestrom Richtung Wolgast auf Kreuzkurs gehen und waren damit eine der wenigen Yachten die segelten. Wolgast in Sichtnähe gab's plötzlich einen Seitenhieb (Windbö), bei der sich unser Pit schlagartig auf die Seite legte und in den Wind schoß. Die nie festgelegte Großschot glitt durch meine Hände, Ruder aus der Hand und ich warf mein ganzes Gewicht mit den Füßen in der Seitenwand stehend nach steuerbord. Eva in der Kajüte klemmte mit den Knien am Schwertkasten und sah kurzzeitig durchs Fenster die Fische. Was war das? Vor Wolgast liegt westlich ein Hügel - vermutlich wirbelt der Wind unter bestimmten Bedingungen hier und das reichte bei der festgezurrten Genua aus, für eine Fastkenterung. Etwas geschockt segelten wir dann aber weiter an den Hafen- und Werftanlagen vorbei - mit entsprechender Vorsicht - und legten während der Fahrt vor der Wolgaster Brücke den Mast. Plötzlich Hupsignale vom Stadtkai und aufgeregtes Winken - wir waren gemeint - aber von Dietmar Beyer mit Ehefrau, die mit Ihrer neu ausgebauten Barkasse "Röder" hier vertäut lagen. Das hieß für uns natürlich kehrt, seitlich festmachen und bei einem "Schluck" das Innenleben der Barkasse und deren Werdegang erkunden - geräumig, vertrauensvolle robuste Technik, seewettertauglich, gemütlich, aber eben nicht das ideale für uns Segelnarren. Versehen mit guten Hinweisen zum Liegeplatz (Hornwerft) verabschiedeten wir uns mit Kurs durch die geschlossene Brücke, um danach in besagter Marina anzulegen - sicher, stadtnah, voller Service einschließlich Ausrüster und Handwerker. Später bestaunten wir die Brückendurchfahrt eines in der Wolgaster Werft neu gebauten Containerschiffes auf seiner Jungfernfahrt - uns war vorher schon aufgefallen, dass die Auftragsbücher der hier ansässigen Werften voll sein müssen. Bauerei an Bord - die Batterie wird nicht geladen. Werkstatthilfe für den nächsten Tag wird vereinbart und danach ein Stadtbummel durch das noch nicht fertige, aber trotzdem schon sehenswerte Städtchen gemacht mit Tagesausklang in einer gemütlichen hafennahen Gaststätte.
Der neue Tag sah uns erst 10:00 (oh, Schande!) und so fiel bei dem schwülwarmen Wetter mit Unwetterankündigung der Stadtkaufbummel weg - leider beschränkte sich die Werkstatthilfe auch nur auf eine Prüfung der vorbeigebrachten Batterie - i.O. - dafür kostenlos - und ich steckte den Kopf noch mal in mein Kabelgewirr. Kurz vor Ausbruch des nachmittäglichen Gewitters füllte sich die Marina - unverständlich von 2 Yachten das Einfahren bis in die Box unter Segel zu machen, um dann noch zu stolz verkünden "gerade noch mit den ersten Böen geschafft". Den Abend verbrachten wir in der Kajüte, begleitet vom Trommeln der Wassergüsse auf's Kajütendach und dem Heulen des Windes in den Wanten.
Sonnabend, 16.07.05 - 10:00 bei wieder schönem Wetter abgelegt und mit zunehmenden Wind NW anfangs 3 später 5 Bft. Richtung Greifswalder Bodden gekreuzt und mit gerefften Segeln und angelegten Schwimmwesten noch bis zur Insel Ruden. 12:30 gut angekommen und im letzten Hafeneckchen einen windgeschützten Liegeplatz an der Spundwand gefunden.
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Ruden: Ehemaliger Militärhafen, jetzt Naturschutzinsel, servicelos (das einzige Trockenclo schon am Überlaufen) - dafür nur 3,50 Euro. Das Hafenmeisterpaar agierten nur im Doppelpack (wer kann sich eigentlich so was leisten?), aber fachkundige Auskunft, dass der Sommer ab jetzt vorbei sei, was sich in der Folgezeit auch leider bestätigen sollte. Inselspaziergänge auf den wenigen abgezäunten Wegen und warten auf nachlassenden Wind - auch noch am nächsten Tag. Die ausgeschilderte BGS-Bootsliegestelle war nur zeitweilig besetzt und wir erhielten die Auskunft, dass bei Abwesenheit sich eine Yacht den Zeitpunkt der beabsichtigten Aus-/Einklarierung ins Bordbuch einträgt und somit dieses später bei evtl. Kontrollen nachprüfbar als Aus-/Einklarierung anerkannt wird - fanden wir gut.
Ausgehende Wasservorräte und Reisefieber drängten zur Weiterfahrt. Der Regen ließ nach und bei NW-Wind von 3 Bft. (Hafeneinschätzung) liefen wir mit gerefften Segeln aus, rundeten östlich die Insel und nahmen Kurs Thiessow hoch am Wind. Die hohen Wellen aus dem Greifswalder Bodden veranlassten uns die doch notwendigen Kreuzschläge erst im Bereich der Ostsee östlich von Thiessow mit ablandigem Wind und deutlich kleineren Wellen zu machen - also segelten wir auch mal ein Stück offene See, was eigentlich nicht auf unserem Programm stand. Mit zunehmenden Vertrauen auf unser Schifflein im Wellengang segelten wir so noch bis Seedorf und machten dann 13:30 etwas geschafft im hübschen Naturhafen nahe der Bushaltestelle fest - wetterbedingt für 3 Tage, wie sich später herausstellte. Nachmittags Busfahrt zur Kaufhalle nach Sellin, optimaler Einkauf, und Rückfahrt mit Taxe, weil der uns angrinsende Busfahrer sagte, dass er Feierabend macht. Die Taxikosten teilten wir mit einem auch betroffenen Paar. Für Dienstag waren Unwetter angekündigt - dafür Ausschlafen und später Fahrradtour nach Sellin, Baabe und mit Übersetzen der Ruderfähre Selliner Kanal bei Regen über den "Berg" nach Seedorf zurück. Mittwoch gleiches Wetter, vormittags ausgedehnter Ortsbummel und beschnuppern der vielen hübschen Ferienhäuser. Abnehmendes Bargeld und ich musste (nein, wollte) mich mal richtig Auslaufen und tippelte am Nachmittag im Regen und Schnellgang nach Sellin zur Bank und zurück. Abends Batterie trotz Landanschluss leer - noch mal Kabelreparatur im Bordscheinwerferlicht - Defekt am Abgang des Ladegerätes.
Donnerstag, 21.07.05 immer noch Wind 4..5 Bft. um SW. Trotzdem ausgelaufen mit stark gerefften Segeln und wie schon gewohnt auf Kreuzkurs nach Lauterbach. Die Wellen zwischen Reddewitzer Höft und Insel Vilm reichten aus, um uns richtig hoch und runter fahren zu lassen - ein ganz neues Gefühl auf unserem JK. 13:30 machten wir im Seglerhafen Lauterbach fest - natürlich Regen - absolvierten die üblichen Formalitäten und ließen uns verleiten in die Hafengaststätte zu gehen, um das Mittagessen nachzuholen. Moderner Stil, 2 Speisen, wenig auf den Doppeltellern, dafür teuer. Dazu Evas Sturz auf ausgespültem Betonwegrand und morgens eine Schlange vor den Toiletten - das war zu Seedorf wie Tag und Nacht. Dafür am nächsten Tag schönes Wetter, NNW 3..4/5 Bft. lt. Wetterwelt - Handyansage stimmte i.d.R. immer am besten. 9:30 abgelegt und mit halben Wind und Sausefahrt Richtung Strelasund. Hier war dann wieder Kreuzen angesagt bis vor die Rügendammbrücke. Die Brücke in Sichtweite dachte ich, dass eine meinen schrägen Kurs zum Fahrwasser kreuzende Zoll-Barkasse mit geringer Kurskorrektur am Heck vorbeifährt - nichts da - Signalton - wir machten unsere Wende, meine Handbewegung in Richtung Zollboot wurde als Beamtenbeleidigung gewertet und so mussten wir kurz später an einer Barkasse des WS anlegen zur Aufnahme eines Protokolls - ob daraus noch was wird, bleibt abzuwarten. Vor der Brücke wartende Yachten veranlassten Eva zur Empfehlung, dass wir doch schnell den Mast kippen und vor dem Pulk im Stadthafen Stralsund uns einen Liegeplatz suchen sollten - wie sich herausstellte ein geniale Idee. So fanden wir im jetzt schon vollen Hafen eine Liegestelle direkt vor dem Hafenmeisterbüro an der Mole, etwas laut, aber mit kurzen Wegen. Trotz der 40 km Strecke machten wir noch einen ausgedehnten Stadtbummel und erlebten so den Auftakt zum alljährlichen Stadtfest, dem "Wallensteinfest" (Stralsunder behaupteten im Bündnis mit schwedischen Truppen ihre Stadtfreiheit gegen die anrückenden Soldaten unter Führung Wallensteins - für sie ein Grund auch heute noch zu feiern) mit den sehenswerten auf Mittelalter getrimmten Schaustellern, Händlern und Darbietungen.
Trotzdem am nächsten Tag 9:00 abgelegt nach fast schlafloser Nacht (Jugendkonzert in Hafennähe bis 2:00 früh - ab 5:00 begannen die Türen am nahen Sanitärtrakt zu klappern) und bei bedecktem Himmel, aufhörendem Regen und West 3..5 Bft. i.d.R. mit halben Wind nach Hiddensee. 12:30 im kleinen jetzt schon vollen Hafen Kloster die einzige freie Box erwischt. Genau wie in der "Yacht" in einem Reisebericht beschrieben, wurden wir von einem englischen Hafenmeister begrüßt (versteht deutsch - nur sprechen ist schwierig -aber gemütlich). Mittag im Hafenrestaurant, dann Fahrradausleihe und Tour zum Leuchtturm. Letztes Stück zu Fuß und ohne Eva - dafür herrliche Sicht von der Aussichtsplattform bei pfeifendem Westwind. Leider vermissten wir die früher samtweichen Hügelwiesen, die einem harten kurzgeschnittenen oder -gefressenen Wildrasen gewichen waren und nicht begangen werden durften (abgezäunt). Weiter nach Vitte mit Orts- und Strandbesichtigung, Eisessen und zurück zum Souvenirkauf nach Kloster und zu "Pit 3". Hiddensee erscheint uns im Vergleich zu DDR - Zeiten überlaufen und im Umbruch begriffen; wie lange wird wohl der dörfliche Charakter sich noch halten? Unpassend empfanden wir auf jeden Fall die häufigen schnellen Taxi-Motoryachten in den engen betonnten Fahrwasserrinnen.
Sonntag, 24.07.05 - Wind 4..6 Bft. aus WNW angesagt, also mit 2 Reffs im Groß vor Wind 10:15 ausgelaufen mit Ziel Jasmunder Bodden, vorbei an der Wittower Fähre und ab Breeger Bodden mit Halbwind in den Jasmunder Bodden mit Abstecher zum Rappiner Zeltplatz (zu DDR-Zeiten 3 Jahre unser Stammplatz mit "Pit 2" und Zelt) und weiter nach Ralswiek nicht ohne immer wieder Ausschau nach Andreas Hubricht zu halten, der mit Familie und Freunden zur gleichen Zeit auf 2 gecharterten Yachten von Breege aus zwischen Jasmunder Bodden und Saaler Bodden schippern wollte - leider fanden wir uns nie.
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14:45 im gut ausgebauten Hafen Ralswiek mit vielen noch freien Plätzen festgemacht. Bummel durch das gepflegte Örtchen, welches zunehmend auf die Störtebecker-Festspiele ausgerichtet ist. Wir wollten am nächsten Tag - Sonntags ist spielfrei - dann auch diese besuchen (man hatte uns empfohlen eineinhalb Stunden vorher Rückgabekarten zu erstehen, was auch gut klappte). Ein empfehlenswertes 3-stündiges Erlebnis neben guter Schauspielleistung mit vielen Effekten (Artistik, Stunts, Pferde, Raubvogel, andere Tiere, Pyrotechnik, herrliches Panorama und Schiffe) und auf jeden Fall den Eintritt wert, was auch der nun schon täglich übliche kurze Regenguss nicht verhinderte.
Dienstag, 26.07.05 - grau, leichter, wechselnder Wind um West später 3 Bft. versprach wieder einen tollen Segeltag zurück nach Hiddensee. Natürlich wieder alles gegen den Wind und später nur mit kurzen Kreuzschlägen in den engen Fahrwassern. Abschließend nervig, weil wir hartnäckig das Fahrwasser für die südlich von Neuendorf (Hiddensee) angegebene Ankerbucht nicht fanden und mindestens 1 Stunde im 50 cm flachen Wasser gegen Wind in Richtung von 6 Segelmasten uns vorarbeiteten - dann stellte sich heraus, das hier nur 15er JK lagen - also wahrscheinlich nur durch Flachwasser erreichbar. Anker raus, im sicheren Abstand zur nächsten Yacht und Ruhe - denkste - da kam noch ein 15er und legt sich in die Lücke mit Bug- und Heckanker. Blieb nichts anderes übrig, als auch den Heckanker noch zu legen - ungern, weil bei Winddrehungen die Lage nicht sicher ist - also nachts immer mal ein Auge drauf.
Nach morgendlichem Regenschauer und Fockwechsel (Selbstwendefock statt Genua) in Anbetracht der engen Fahrwasser Richtung Zingst gegen 10:15 abgelegt und mit W später NW von 3 Bft. Kurs Barhöft und weiter in die schmalen naturgeschützten Fahrwasser hinter dem Bock, über den Grabow und aus Zeit- und Windmangel die letzten 6 km an Zingst vorbei gemotort und kurz vor den Dreh- und Pontonbrücken Meiningen hinter einer Insel gegen 20:00 geankert - oh Schreck, das sah verdammt nach Abwasser aus (spätere Auskünfte und eigene Untersuchungen ergaben aber, dass es ein überdurchschnittliches Algenwachstum war - aber dazu gehört natürlich auch entsprechender "Nährstoff" - na ja - jedenfalls war ab hier baden out).
Donnerstag, 28.07.05 - wegen der Brücke "zeitiges" Aufstehen um 6:45 - aber auch hier veränderte Öffnungszeiten, statt 8:45 erst 9:30, na ja. Weiter unter Segel bei SO um 2 Bft. über den Bodstedter Bodden, durch den Nadel- und Koppelstrom immer schön in der ausgebaggerten betonnten Rinne gesegelt. Eine vor uns fahrende Hamburger SY im Saaler Bodden wendete nach zweimaligem "Nicken" (Auffahren) und wollte aufgeben. Nach unseren Hinweisen, die Betonnung ernst zu nehmen, aber letztlich doch den Kurs nach Ribnitz-Damgarten wieder aufnahm. Wir kürzten natürlich mit unserem aufgeholten Schwert ab, aber nicht ohne den Skipper vorher gewarnt zu haben, uns nicht etwa zu folgen. 2 km vor Ribnitz gaben wir dann nach 1,5 Stunden vergeblichen Segelversuchen bei absoluter Windstille auf und machten mal ausnahmsweise den Motor an, um der erbarmungslosen Sonne zu entfliehen.
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Auf die Frage nach einer geeigneten Hafenanlage führte uns ein Sportfreund im motorisierten Schlauchbootdingi natürlich in "seinen" Verein und so machten wir im Motorsportclub fest, etwas ungeschützt nach Westen - wir drehten unser Schifflein vorsichtshalber mit dem Bug nach außen - aber sehr freundlich, mit Service und nahe einer Netto-Kaufhalle. Es folgte ein ausgedehnter Stadtbummel - viel gemacht, sauber, sehenswert, aber keine richtige Atmosphäre. Keine Gaststätte hatte Plätze im Freien, kaum Bänke zum Verweilen und nach Geschäftsschluß war natürlich nichts mehr los. Folglich verbrachten wir den Abend im netten Hafenrestaurant, dessen große Freiterrasse mit Gästen gefüllt war (verständlich) und stießen auf den geschafften Wendepunkt unserer Reise an - spät abends dann noch mal in gleicher Weise auf der Stegplattform des Clubs mit Sportfreunden.
Zur Rückreise verschlafen - 9:00 aufgewacht. So erst 10:30 abgelegt bei 0..1 Bft. und hartnäckigen Segelversuchen, bis es dann auffrischte und eine Wetterfront nach der anderen hinter, vor oder neben uns vorbeizogen - es hat uns mit Regenguss und Starkwind nur einmal erwischt. Ein Schauspiel in östlicher Ferne - der ganze Himmel dunkel, Regenschwaden seitlich in grauen Streifen und mittig weis, werden wir wohl nicht vergessen - wir hatten vorsorglich die Segel komplett gestrichen - Gott sei Dank umsonst. Wie wir abends aus den Nachrichten erfuhren, war da über Hiddensee ein Rekordregen mit 76 l/qm innerhalb einer Stunde niedergegangen. Nach der Wetterfront noch mal freundlicher SO um 3 Bft., so dass wir schon 16:30 an besagter Meiniger Brückenkombination landeten: Für den Verkehr Richtung Festland eine Pontonbrücke und für die Gegenrichtung eine Drehbrücke - auf jeden Fall total dicht. Übrigens soll das durch Wasserspiegelschwankungen hier strömende Wasser den etwa 20 m breiten Wasserarm 9 m tief freihalten - Beispiel Sunde in Dänemark. Glaubhaft oder nicht, wir lagen auf der Hinfahrt am Wartedalben (Stege gibt's nicht) jedenfalls im Schlamm.
Eva kochte trotz 32 Grad Hitze noch Klopse. 18:30 fuhren wir gesättigt durch die geöffneten Brücken und legten uns wieder an "unserer" Ankerstelle noch vor Zingst im Inselseitenarm geschützt vor Anker - gut, weil gegen 21:00 zur Abwechslung noch ein Gewitter sich über uns entlud. So ging der wetterwendischste Tag unserer Reise zu Ende.
Mit Ruhe in den nächsten Tag (erst 9:00 aufgestanden) und bei leichtem SW unter bedecktem Himmel an Zingst vorbei, Müggenburg, Barther Bodden, Kleine Wieck - aber dann wieder eine schwarze Wand. Eine Kutterregatta vor uns wurde mit knatternden Segeln abgebrochen, wir entschlossen uns zu Gleichem, verloren dabei aber eine schwimmfähige Winschkurbel, die wir nach ca. 1-stündiger Suche in den hohen Wellen tatsächlich wiederfanden - Ergebnis einer systematischen Flächensuche Streifen für Streifen nach Bojen und Landmarken orientiert. Bei dieser Aktivität haben wir das Wetter gar nicht recht gespürt. Weiter ging's mit starkem Rückenwind (vermutlich über 6 Bft.) und nur unter teilgereffter Selbstwendefock mit über 6 kn über den Grabow hinein in schmalere Gewässer - hier ließen wenigsten die Wellen nach - bis zum vollen Hafen Barhöft, wo wir gegen 16:00 in eine Lücke einfuhren. Das Heck machten wir an der schon belegten Morringboje und dem etwas größerem Boot des freundlichen Nachbarn fest. Das von See so etwas schroff/militärisch wirkende Barhöft entpuppte sich für uns Neulinge als eine rundum gepflegte, gut ausgestattete Hafenanlage, sogar mit Hotel, Lebensmittelladen, Gaststätten, Fahrradverleih usw. - also empfehlenswert. Etwas geschafft vom Tag unterm Sonnendeck im Cockpit sitzend beobachteten wir bei nun wieder scheinender Sonne die noch einlaufenden Yachten - ein mit Volldampf einlaufender Skipper, seine stattliche Frau mit wehendem schwarzen Haar auf dem Bug stehend, schimpfte lauthals über die seiner Meinung nach nicht eng genug liegenden Yachten und keiner zuckte sich natürlich - 3 nachfolgende Dickschiffe fanden mit Hilfe der Anlieger im gleichen Bereich ihren Platz - wir mussten lächeln "wie man in den Wald hineinruft, so...".
Sonntag (anfangs wirklich), 31.07.05 mit Südwind um 2 Bft. schön, aber für uns bedeutete das natürlich hoch am Wind und Kreuzschläge bis Stralsund. Vor der 2. Hafeneinfahrt Segel und Mast runter zur Querung der Rügendammbrücke. Bei der Anfahrt sahen wir jetzt auch schon einige hohe Pfeiler der neuen Brücke - wir schätzen spätestens 2007 müsste dieses Nadelöhr Geschichte sein. Weiter den Strelasund bei ca. 3 Bft. bis Höhe Stahlbrode wo uns eine drohende Wetterfront die Segel streichen ließ und der Gedanke den Hafen aufzusuchen kreiselte - zögerlich, gut so, denn das Wetter zog vorbei und es wurde noch ein "Gewalttörn" bei Wind bis 5 Bft. und Wellen aus dem Greifswalder Bodden. Bis Greifswald Stadthafen, immer mal eine dunkle Wand im Umfeld, 19:00 gerade noch mit Volldampf (Motor) die Brückenöffnung Wiek geschafft - Dank an die wartenden 2 menschlichen Kurbler (Brücke ist tatsächlich Handbetrieb) - und mit etwas erhöhter Geschwindigkeit, die Anlieger mögen es verzeihen, bis zum Liegeplatz direkt vor der neuen Drehbrücke, wo wir mit den ersten Tropfen und netten Helfern am rechten neuen Kai festmachten. Den folgenden und weiteren Güssen entflohen wir unter unserem Kabrio. Der immer noch heftige Wind bis morgens wurde durch die Stadthäuser etwas gebremst. 51 km gesegelt (dazu Kreuz und Wellen) und 14 km gemotort fanden wir ganz beachtlich.
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Montag = Greifswald- und Ruhetag: Nach gemütlichem Frühstück Stadtbummel bei zunehmend freundlicherem Wetter, Dom St. Nicolai, Sparkaufhalle, vornehmes Mittagsmahl im "Speicher am Hafen", Mittagsschläfchen, Kaffee und Kuchen an Bord und abendliches Kartenspiel. Leider war es auf dem terrassenartigen Kai heute bei trockenem Wetter etwas unruhig, da die unterschiedlichsten Typen diesen Ort zum Verweilen aufsuchten.
Am nächsten Tag kamen wir rechtzeitig 10:00 zur von uns vorgesehenen Brückenöffnung Wiek, bestaunten die am Kai liegende Yacht "Greif" (ehem. "Wilhelm Pieck") und setzten unmittelbar danach die Segel zur Bewältigung des Greifswalder Boddens. Mit SW um 2..3 Bft. erlebten wir den Bodden mal von der angenehmen Seite und hatten nur nach Höhe Ruden bis zur Einfahrt in den Peenestrom mit unserem schon gewohntem "Sturmtief" zu tun - genau hier begegnete uns wieder die "Röder" mit Beyers Sohn; leider konnten wir nur noch aus der Entfernung winken - wir hatten eben mit uns tüchtig zu tun. Weiter mit meist Raumschotkurs, vorbei am Achterwasser und in abendlicher Sonne und nachlassendem Wind bis zur Zecheriner Brücke, Mast kippen, stellen und gleich rechter Hand in einer Schilfbucht (den Seitenarm der Peene fanden wir nicht) vor Anker. Mit Baden, Abendbrot und Kartenspiel klang ein schöner Segeltag mit 75 Segel- und nur 8 Motorkilometern aus. Was machen wohl unsere Jugendlichen vom SCW mit XY und Pirat - sind sie noch auf der Peene, Kummerower See oder etwa doch in den Boddengewässern unterwegs? (Anm. d. Red.: zu diesem Zeitpunkt befinden sich die Jugendlichen noch in der Vorbereitungsphase, am 07.08. sind sie in Demmin gestartet)
Mittwoch, 03.08.05 - Auf ins Stettiner Haff, allerdings vorerst nur bis Ückermünde bei anfangs fast keinem Wind (mit Motor von Windhauch zu Windhauch), später 1..2 Bft. aus ONO bescherte uns das Haff nur mit Miniwellen und wir zuckelten friedlich am Wind bis Ückermünde, wo nach uns ein holländisches Riesenplattbodenschiff unter Segel in den unübersichtlichen schmalen für Gegenverkehr gesperrten Flusslauf der Ucker einfuhr - warum nur? Wir motorten an allen Liegeplätzen vorbei und machten direkt vor der Stadtbrücke, sozusagen im Zentrum Ückermünde am Kai gegen 15:45 fest, um geduldig unseren fast täglichen Regenguß unter Deck abzuwarten. Bei nachlassendem Regen wieder ein Stadt- und Einkaufsbummel. Wir waren überrascht von der anheimelnden Atmosphäre trotz Regens - eine wirklich hübsche Innenstadt. Ein gutes Abendbrot im Hotel am Markt rundete den Tag ab.
Einen Hafenmeister müssen wir wohl ständig verpasst haben, so trollten wir uns morgens 9:00 in Richtung Zoll zum Ausklarieren - alles o.k. Im folgenden Gespräch fanden die Beamten Verständnis für Seglers Unmut das Zollschiff in Haffmitte passieren zu müssen, begründeten es aber mit dem noch nicht erfolgtem Beitritt Polens zum Schengener Abkommen und es sei eine reine polnische Maßnahme, ohne das von deutscher Seite darauf Einfluß genommen werden kann. Auch interessant: Wenn man zwischen Deutschland und Dänemark den nur etwa 2 sm langen internationalen Seebereich (außerhalb 12 sm Zone) meidet, braucht nicht aus-/einklariert zu werden.
Auf ins Haff bei WNW 4 bis zum Zollboot, übliches Prozedere. Allerdings gab's einen Bumms, als eine 14 m Yacht mit dem Bug gegen das Zollboot stieß, sie fuhr anschließend unter Begleitung Richtung polnisches Altwarp. Bei später etwas abflauendem Wind erreichten wir 14:30 Ziegenort um einzuklarieren und am öffentlichen Hafenkai festzumachen. Später alles im Doppelpack, nur wir nicht.
Morgens nach Bezahlung der Hafengebühr (0,50 Euro) und Stromkosten (0,20 Euro) wieder Tanken im Fischereibecken - diesmal ohne Rempelei und anschließend unter Segel Richtung Stettin. Aber mit Umweg über den gesamten Dammschen See bei schönem Wetter. Mit drehendem Gegenwind um 2 Bft. immer schön um die unzähligen Stellnetze, deren Umfahrung aber immer eindeutig beschildert war. Entgegen Warnungen fuhren (mit Motor) wir bis zum Stadtkai Stettin und fanden eine fast leere Marina. Nur ein uns schon bekannter Cottbuser Segler lag hier. Gebühr hier 6 Euro - mit ähnlich bescheidenen Service - so unterschiedlich ist das. Der folgende Stadtbummel hat uns nicht so richtig entzückt, man baut vielerorts - auch recht hübsch und meist auf historisch getrimmt - aber es erschien uns doch recht zerrissen und die großen gepflegten Museen, Kirchen, Akademien und Staatsgebäude machen's nicht wett. Wir zogen wieder das Abendbrot im hölzernen Hafenrestaurant vor. Noch vor den ersten Regentropfen schlüpften wir in unser "Nest" und beendeten so unseren Boddensegelabschnitt - ehrlich gesagt etwas beruhigt, das Wetter war für einen 15er JK nicht ideal gewesen und erforderte meist hohe Aufmerksamkeit.
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Die Rückfahrt
Sonnabend, 06.08.05 - Auf ins Binnenland! Mast legen, alle Brücken entgegen den Angaben der Seekarte höher, sodass wir mit 4,15 m überall bequem durchkamen. Letzter Blick auf die Stadtsilhouette - von weitem schön - und dann ging's mit Motor die Westoder aufwärts. Im Nachhinein meinen wir, hätte man hier auch segeln können, allerdings eben unter Landeinfluss mit Hügeln, Wäldern, Baumgruppen. Unterwegs noch Einkauf (Brötchen) nach Anlegen an einem Dorfsteg. In Mescherin Ostseite anlegen am Zoll: Abfertigung im Büro freundlich und problemlos nur mit PA und den üblichen Fragen und dann sind wir wieder in Deutschland. Die Oder wird schmaler, kaum Fließgeschwindigkeit, häufig Frachter, mal einem Angler die Angel entwendet (sie hatte sich im Ruderblatt verhakt - natürlich brachten wir sie ihm zurück), mal zugeschaut wie ein verträumter Skipper im kleinen Angelkahn zu Tode erschrak, als hinter ihm der Bug eines Frachter's auftauchte und der nur mit einer Querdrehung seines Schiffes Schlimmeres verhinderte oder unsere winkenden Verwandten auf einer Brücke. So kamen wir an die Westschleuse Hohensaaten (einzige Schleuse dieses Abschnitts) mit zügiger Abfertigung. Natürlich erhielten wir die Erlaubnis am oberen Wartesteg der Sportboote die Nacht zu verbringen. Vorher schlossen wir unsere Verwandten Gisela und Gunter in die Arme und fuhren mit allen leeren Kanistern zum Tanken nach Polen. Wir bedankten uns mit einem Abendbrot in einer Gaststätte und beendeten den Tag gegen 21:00.
Morgens 9:00 abgelegt, am sich mausernden Oderberg und dem hier auf dem Trocknen liegenden Schaufelraddampfer "Riesa" vorbei zum Schiffshebewerk Niederfinow. Nach kurzer Wartezeit Einfahrt. Vorher hatten wir noch beobachtet, wie zu lange Schiffseinheiten (Becken ist nur 85 m lang) in Teilen transportiert werden, wofür es einen sinnigen Seilzug gibt. Die Weiterfahrt im ausgebauten Kanal ist etwas langweilig. Interessant dagegen die Riesenbaustelle bei Eberswalde: Kanalumverlegung mit Brückenneubau und neuer Unterführung der Bahnlinie - soweit erkennbar aber alles Hamburger Firmen. Novum: Schleuse Lehnitz schaltete bei Annäherung gerade Grün und so füllten wir gemeinsam mit 2 uns recht unsanft vor langer Zeit überholende Yachten und vielen anderen den Schleusenraum hinter einem Frachter - aber dann wie gehabt Quertreiben gerade dieser beiden Yachten. Viele hilfreiche Hände brachten dann alles zur Ruhe. Wir tuckerten noch weiter bis zum Niederneuendorfer See. Unseren Anker versenkten wir im Windschutz einer Halbinsel. Die Regengüsse unterwegs waren schon vergessen. Die Nacht war 7° kalt.
Montag, 08.08.05 - Wetter wie bisher besch . 9:00 abgelegt, in den Havelkanal rein, durch die Schönwalder Schleuse und gen Ketzin. Leider hier genau wieder Gegenwind, also Westwind) und so blieb der Mast bedauerlicherweise weiter liegen. Schleuse Brandenburg wird 17:00 passiert und kurz später legen wir in "Udos Hafen" im Quenzsee an. Abendlicher Hafenschwatz, Benzinholen und Maststellen.
Morgend's alles grau, neblig, Dauernieselregen und Westwind um 4 Bft. Trotzdem abgelegt und stark gerefft gesegelt bis zur Malge, wo wir uns wieder mit Verwandten (diesmal aus Premnitz) zum Mittagessen treffen. Nachmittags ohne Regen aber bei noch heftigerem Wind (vielleicht bis 6 Bft. - stecken wir mit unserer Boddenerfahrung locker weg) bis zur Brücke Kirchmöser / Plau gesegelt und im Windschatten angelandet. Einkauf im Pennymarkt und zur Nacht etwas abseits ein Ankerplätzchen gesucht.
Am nächsten Tag blieb das Verdeck gleich zu - immer wieder Regen. So passierten wir die Wusterwitzer Schleuse, Genthin, die Schleuse Zerpen und Niegripp. Irgendwo verschwindet unser Ladestrom - Winterarbeit ist angesagt. Mast wird noch gestellt. Die Nacht auf der Rückseite des Wartesteges Schleuse Niegripp war ruhig trotz anhaltenden Windes.
Donnerstag, 11.08.05 - die Elbe hat uns wieder. Wir müssen die Strömung bewältigen und versuchen soweit möglich mit großer Fock den böigen Seitenwind zu nutzen. Die Stromschnellen bei 2,2 m Magdeburger Unterpegel hatten etwas mehr Strömung als sonst. Wir waren gut beraten einen uns einholenden Frachter an der Zollelbe wartend vorbei zu lassen. Trotz Ausnutzung seines Schwell's kamen wir letztlich ins Schraubenwasser und er enteilte zusehends, während wir fast standen. Dem entgegenkommenden Frachter konnten wir gerade noch hinter dem Pfeiler der Fußgängerbrücke Platz machen. Stopp mit Tanken und Fahrradtour nach Schönebeck in der Marina Schönebeck km 314, wo wir auch die Nacht verbrachten nach einem Tag mit mal wenig Regen.
Der Freitag begann sonnig, aber kühl mit SW um 2 Bft. - zu wenig zum nur Segeln - also Motor dazu und so blieb es . Der Wind schlief ein und drehte zeitweise auf Ost, folglich Gegenwind. Vor dem Losbrechen eines Gewitters machten wir im Sand einer Buhne kurz vor Dessau (km 264) gut geschützt fest. Das Wasser fiel über Nacht ca. 15 cm und so hatten wir Mühe unser Schiff flott zu machen. Trotzdem habe ich mit der Methode: Bug zum Land mit Landanker und das Heck beiderseits möglichst weit gespreizt auch auf Land verankert, gute Erfahrungen gemacht. Einen Anker in der unbekannten Buhnenmitte zu versenken birgt ja immer das Risiko der Wiederaufholbarkeit.
Nächster Tag grau, aber trocken. Der Wind zur Unterstützung im Bereich der Autobahnbrücke / Fockerode erlaubte sogar ein paar reine Segelkilometer. In Kleinwittenberg wieder Tankstopp. Diesmal kam ein WS-Boot und machte Eva aufmerksam auf das Privatgelände. Aber sie hat sie gekonnt beruhigt, dass man das wisse und wir jedes Mal hier nur kurz zum Tanken anlegen und sie könne das Boot bei Bedarf seitwärts verlegen - damit war man zufrieden. Weiter noch mit einem Gruß an Wittenberg vorbei und am km 207 eine geschützte sandige Buhne aufgesucht. Obwohl uns hier die starke Strömung parallel zum Sandstrand drückt, war die Nacht ruhig.
Sonntag, 14.08.05 - nur anfangs sonnig, dann Dauernieselregen und Wind um SSO, i.d.R. Gegenwind - die Fock wurde nur manchmal kurz aufgerollt. Gegen 18:30 oberhalb von Torgau am km 150 abermals in einer sandigen Buhne gut übernachtet. Torgau - nach wie vor für Sportboote ein Liegeproblem, wo sich leider nichts bewegt.
Montag - Wetter ähnlich aber nur etwas Nieselregen. Zwischenstopp im Sportboothafen Belgern und 2x zur Tankstelle gelaufen. "Randvoll" abgelegt, einen Langsamschlepper überholt, vorbei an Mühlberg, Riesa und im Angesicht drohender dunkler Wolken aus sächsischer Richtung am km 98 linkselbig hinter einem Leitwerk im schlammigen Stillwasser geankert - nicht gut, weil der Landanker im Gestrüpp nicht hielt und der Heckanker allein ein Ausschwäuen in steinige Regionen ermöglichte. Angler wachten die ganze sehr kalte Nacht unweit von uns.
Dienstag, 16.08.05 - letzter Reisetag. Bei Sonne 8:00 abgelegt und mit Windunterstützung (N 1..2 Bft.) besagten Langsamfrachter abermals überholt. Vor Dresden kam ein Schnellerer und ich hielt es für besser diesen vor den Brücken passieren zu lassen. Also Motor aus und so segelten wir "zwangsweise" noch mal 5 km. Die bewohnten Ufer empfanden wir als abwechselnd und freuten uns auf zu Hause. Durchs Stadtzentrum war nur noch Gegenwind und so blieben die Segel leider bis Wachwitz eingepackt. Wir landeten 17:00 wohlbehalten bei nun schönem Wetter und verbrachten den Abend nach dem Packen noch in der "Elbterrasse" zusammen mit unseren Kindern.
Resumee
| Fakten: |
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| Einschätzung: | Eine schöne, unvergessliche Reise meist auf bisher unbekanntem Revier (Oder und Bodden). Im Bereich der Boddengewässer vielfach unsichere Wetterlagen mit viel Wind und / oder Unwettern – nicht das ideale für einen 15er Jollenkreuzer. Es erforderte meist viel Aufmerksamkeit und gewissenhafte Lageeinschätzung und ist mehr unter sportliches Segeln als Urlaubssegeln einzustufen. Aber unser „Pit 3“ hat sich in allen Situationen (Wellen, Windstärke, Kenterböe, Regen, Flachwasser, Mastlegen, Reffen, Vergleichsgeschwindigkeit, Höhesegeln, Übernachten am Anker, Sanitär, Kochen, Schlafen) bestens bewährt. Bewährt haben sich auch GPS, Kompass und Kühlbox (letzteres sofern die Elektrik funktionierte). Technische Schwierigkeiten gab’s mit der Elektrik (am besten neu verkabeln). Das mitgeführte Kartenwerk „Seekarten“ und „Wasserwanderatlas Brandenburg“ deckte einen wichtigen Teil in Polen nicht ab, war aber sonst o.k. Der „Wasserwanderatlas Mecklenburger Seenplatte“ ist für das Segeln auf den Boddengewässern unbrauchbar und der polnische Teil ist hier ganz ausgespart. Der nächste Urlaubstörn wird „Segeln auf Brandenburger, Berliner und Mecklenburger Seen“ heißen – das sagt wohl alles. |










