07:00 Uhr Morgen Samstag, 25.10., Fabian, Julius, Jannik und Leo machen sich auf nach Geierswalde. Noch ziemlich verschlafen, aber gespannt auf die 6. Mitteldeutsche Vereinsmeisterschaft 2025.
J70 ist das Gefährt des Geschehens. Eine Bootsklasse, die uns nahezu fremd ist. Fabian hat die einzige ernstzunehmende Bootserfahrung vom Jahr zu vor. Naja was solls, segeln können wir alle, ans Boot werden wir uns gewöhnen und eine neue Klasse kennlernen und selbst segeln zu dürfen ist immer interessant.
Den Leuchtturm am Geierswalder See verrät das Ziel schon kurz vor der Ankunft. Uns allen ein bekannter Anblick, waren schließlich über die Jahre schon zu verschiedenen Veranstaltungen beim WSVLS zu Gast.
Noch bläst ein leichtes Lüftchen über den Tagebausee. Kein Anzeichen von dem, was noch das Wochenende werden soll. Das Platz da ist, wo sich der Wind frei entfalten kann, sieht man auf jeden Fall.
Nach der Begrüßung der schon anwesenden Teilnehmer geht es als Erstes zum Org.-Büro für die Anmeldung. Danach haben wir noch angenehm Zeit bis zur Begrüßung & Steuermannsbesprechung 9:30, sodass man in das ein oder andere Gespräche einsteigen kann. Immerhin ist das auch der Sinn der Regatta: Zusammentreffen der Vereine und untereinander Austauschen.
15 Vereine sind aus dem mitteldeutschen Raum plus Hamburg da und vier J70 stehen zur Verfügung. Das bedeutet einen strickten Zeitplan bei fünf geplanten Durchläufen á vier Wettfahrten an zwei Tagen (also insgesamt 20 Regatten). Dadurch kann jeder gegen jeden segeln, aber leider keine Sekunde mehr. Direkt nach einem Zieldurchlauf wird auf dem Wasser getauscht, damit gleich die nächste Wettfahrt starten kann.
Bevor es aufs Wasser geht, haben wir aber noch einiges gemeinsam zu besprechen: Wer übernimmt welche Position & Aufgaben und wie um alles in der Welt fährt man den Gennacker? Wir sind damit so wenig vertraut, dass wir uns gemeinsam noch YouTube-Videos anschauen. Natürlich horchen wir uns auch nach Tipps um und laufen mal zum Steg, um einen Blick ins Boot erhaschen zu können. Dennoch steigen wir dann mit einem gewissen Unwissen aufs Boot, was sich aber nun einfach nicht vermeiden lässt.
Der Wind peitscht mit mehr als 20 Knoten um unsere Ohren. Immer wieder zerren Böen an uns und lassen ihre Wucht am Boot aus. Was vom Steg aus noch deutlich entspannter aussah, lässt jetzt die Spannung von dem, was vor uns liegt, rapide ansteigen. Furcht? Nein! Freude in unseren Gesichtern, Kribbeln unter der Haut. Endlich segeln wir selbst das Monstrum.
Unsere gesamte Konzentration geht in den ersten Minuten darauf, das Boot kennenzulernen. Und sogleich passiert uns ein Fauxpas. - Wir haben den Start verpasst. Keine 2 Minuten waren wir auf dem Boot und noch voll mit Trimm beschäftigt. Wir haben uns nur von den Akustiksignalen leiten lassen und dabei das allererste Signal, Ankündigungssignal, überhört und somit eine Minute später erst unseren Timer gestartet. Nicht ohne Grund existieren Flaggen... Ärgerlich, so etwas simples zu übersehen. Aber nicht unbedingt unerwartet, so wie wir von der Anzahl an Eindrücken eingenommen worden sind. Deshalb lässt es sich auch schnell verkraften.
Ein herrlicheres Gefühl, über den See zu schießen.
Ruppig setzt der Wind seine Kraft am Boot um. Immer wieder kracht in uns eine Böe herein und lässt das Boot noch weiter kippen als ohnehin schon. Zwei bis drei Mann hängen konsequent mit den Beinen über der Reling. Plötzlich, eine starke Böe. Die Zwei/Drei schauen gen Himmel, drehen sich um und sehen Wasser. Eigenartig neu, den See mal hinter sich und nicht unter sich zuhaben. Gefühlt 90° und das Boot will nicht kentern. Krass und auch irgendwie witzig.
Bis wir Gennacker gefahren werden sind, wird es etwas dauern. In der ersten Wettfahrt wollen wir uns noch ans Boot gewöhnen. In der zweiten Wettfahrt sind wir kurz vorm Segel setzen, dann aber entdecken wir ein wirklich schräges Boot, sodass es auf den ersten Blick gekentert aussieht, welches den Gennacker nicht mehr geborgen bekommt. Da entscheiden wir uns doch lieber um. In der dritten kommt es gar nicht zur Debatte, weil es schlicht verboten wurde. In dem vierten Durchgang ist endlich der Zeitpunkt gekommen. Und oh Mann, zieht eine neue Kraft am Boot. 45m², größer als Fock und Groß zusammen, lässt das Boot nach vorne schnellen.
Danach ist aber auch Schluss für heute. Durchgängig haben wir etwas Neues gelernt.
Durchgängig hatten wir Spaß. Eine wilde Erfahrung. Aber am Ende ist man doch geschafft und es ist wahrlich eine Wohltat, die nasse Kleidung ausziehen zu können. Tatsächlich wurden wir beim Segeln gar nicht so nass, sondern das Motorboot in den Pausen trifft die Schuld.
Nun ist es an der Zeit, im gemütlichen den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen. Obwohl wir durch die Zeitumstellung diese Nacht eine Stunde geschenkt bekommen, verkriechen die meisten von uns vier sich nicht allzu spät ins Bett. Man spürt den Tag doch ziemlich in den Knochen.
Am nächsten Morgen gibt es, neben einem leckeren Buffet, Bilder anzuschauen.
Danach steigen wir schon wieder in unsere Segelsachen. Noch mehr Wind als am Tag zuvor ist angekündigt. Der Start wurde daher vorverlegt. Es ist gut, dass uns nur noch der fünfte und letzte Durchgang bevorsteht. Der Wind ist zwar schon deutlich stärker, aber er soll später noch mal deutlich zunehmen. Dazu kommen noch immer wieder Regenschauer. Und da wir noch neu gelerntes umsetzten, verlangt uns die 20min viel ab. Heißt aber nicht, dass wir keine Freude daran haben. Im Gegenteil, die höheren Anforderungen gefallen uns.
Zurück an Land braucht es selbstverständlich seine Zeit bis zur abschließenden Siegehrung.
Bis dahin hat mal Zeit sich noch zu unterhalten, weil man kein Boot abbauen und aufladen muss.Ein wahrlicher Segen. Darum kommen wir auch deutlich eher los, als wir es von normalen Regatten kennen. Also von Wettkämpfen in unseren eigenen Bootsklassen, 420er und Opti.
So geht ein Wochenende zu Ende, was definitiv in Erinnerung bleiben wird. (Leo N)
