Mittwoch: Der Morgen beginnt frisch, der meterologische Herbstanfang ist spürbar - vielleicht ist es auch Einbildung, wer weiß. Bis zur Brücke Zecherin können wir wunderbar segeln. Die Boote sind eng beieinander, mal führt der eine, mal der andere. Der Wind bläst heute nochmal ideal, der Platz auf dem Stettiner Haff wird für das ein oder andere Manöver unter Segeln genutzt. Mit dem Mittagsbrückenzug passieren wir die Zecheriner Brücke, nur um direkt danach wieder die Segel zu setzen. Bis nach Wolgast geht die Reise heute.
Hier endet die gemeinsame Reise. Die Wimpel liegen ein letztes Mal beieinander, bevor sich unsere Wege morgen trennen. Die Eignerboote werden Kurs Richtung Heimathafen nehmen, die Charterboote Richtung Greifswalder Bodden.
Ein gemeinsamer Abend bleibt uns noch, den verbringen wir mit leckerem Speiß und Trank im alten Speicher in Wolgast. Conny erhält ein verdientes Dankeschön für die Organisation dieser wundervollen Reise und Jens findet schöne abschließende Worte. So langsam werden alle müde und einer nach dem anderen verschwindet in der Koje.
Sonne, Wind und Salzwasser haben ihre Spuren in den Gesichtern hinterlassen und erzählen von den Erlebnissen dieser Woche: von langen Segeltagen, dem Schaukeln der Wellen, dem Rauschen des Meeres und vor allem von jeder Menge Spaß.
In den Augen aller Teilnehmer liegt ein ganz besonderes Leuchten – und jeder nimmt Erinnerungen mit nach Hause, an die er sicherlich noch lange und gerne zurückdenken wird.
Und irgendwann wird es uns wieder hierher hinaustreiben. Vielleicht schon im nächsten Jahr, vielleicht aber auch erst in fünf Jahren, wenn wir zum 80. Jubiläum wieder gemeinsam die Segel setzen.
Dienstag: Die Windvorhersage für die nächsten Tage zwingt uns zu einer kleinen Planänderung. Statt wie geplant nach Wolin kürzen wir ab und fahren direkt nach Ueckermünde. Für heute sagt der Wetterbericht "schnöde Schauer" voraus - was auch immer wir darunter verstehen können.... Der Morgenablauf ist auf jedem Boot individuell. Steffen legt bereits mit den ersten Sonnenstrahlen ab, um vor dem angesagten Regenschauern in Ueckermünde zu sein. Auf der Mareika hingegen gibt es ein richtiges Sonntagsfrühstück zum Dienstag. Und auf den Charterbooten wird kräftig geputzt. Unter Motor gehts die Swine entlang, vorbei an großen Fähren und Militärschiffen. Daneben fühlt man sich schon ziemlich klein. Bei der Ausfahrt ins Stettiner Haff werden wir von einer ordentlichen Welle und Wind gegenan begrüßt. Die Überfahrt gleicht eher einem wilden Ritt als einem entspannten Segeltörn. Am Horizont braut sich was zusammen. Und spätestens jetzt haben wir auch verstanden, was "schnöde Schauer" sind: Wind bis 30 kn und Regen, der waagerecht übers Deck pfeift. Nach dem Putzen heute morgen ist jetzt der Schleudergang mit Klarspülung dran. Und spätestens jetzt wird das Ölzeug auf Herz und Nieren geprüft.
Im Hafen in Ueckermünde zeigt sich dann die Sonne wieder und trocknet die Klamotten. Für heute Nachmittag steht dann noch Kultur auf dem Programm. Anna von Polen und ihre Hofdame Sofie führen uns durch Ueckermünde und haben die ein oder andere Geschichte auf Lager. Mit reichlich Input geht es später zurück an Deck, wo der Duft von frisch Gegrilltem durch den Hafen zieht.
Montag: Auch heute heißt es: früh raus aus den Kojen und Leinen los noch vor den ersten Sonnenstrahlen. Die Morgenhygiene wird auf die offene See verlegt. Vor uns liegen rund 35 Seemeilen. Nach Swinemünde soll es heute gehen, vorbei an den Kaiserbädern Usedoms. Mal sehen was das Wetter und vor allem der Wind heute für uns bereithält. Als wir die Bugspitze raus Richtung Greifswalder Bodden strecken, wartet erstmal eine freudige Überraschung auf uns. Die huckeligen Wellenberge von gestern haben sich über Nacht verzogen und auch der Wind bläst heute mit einer angenehmen 3-4 in unsere Segel. Hart am Wind geht es Richtung Ruden, vorbei an zahlreichen Möwen, Komoranen und bestimmt auch Robben, nur gezeigt haben sie sich uns leider nicht. Als sich dann hinter dem Ruden auch noch die Sonne durch die Wolken kämpt, ist der Segeltag perfekt. Nur die vorhergesagte Winddrehung setzt leider nicht ein, so dass am Ende des Tages doch die ein oder andere Wende mehr auf dem Kartenplotter steht. Gegen 15 Uhr erreichen die ersten Boote den Zielhafen, nur um es kurz vor dem Anlegen nochmal spannend zu machen. Eine kräftige Bö später und schon ist die Mütze im Wasser. Das darauf folgende Mann-über-Bord-Manöver ist wie aus dem Lehrbuch und die Mütze trocknet gerade wieder an Bord. Im Gegensatz zur Pütz von Volkers Boot, welche dem Bootsputz vor Thiessow zum Opfer fiel. Auch Rasmus will eben mal pu(e)tzen. Nachmittags zieht dann ein kräftiges Gewitter durch mit Windgeschwindigkeiten bis 37 kn, Hagel und Sichtweiten unter 20 Meter. Heile angekommen sind am Ende zum Glück trotzdem alle. Nur der geplante Grillabend fällt leider wortwörtlich ins Wasser. Stattdessen verläuft die Abendgestaltung auf den einzelnen Booten individuell. Manche kreieren neue kulinarische Köstlichkeiten, andere setzen die musikalische Unterhaltung von gestern Abend mit Tanz und Gesang an Bord fort. Auf der Mareika wiederum laufen bei der langen Straße die Würfel heiß, unter 250-zischch... schreibt man nicht an, sagt der Tobi.
Sonntag: Bei den ersten Booten klingelt heute bereits 5 Uhr der Wecker. Noch vor den ersten Sonnenstrahlen zieht frischer Kaffeeduft durchs Boot und weckt auch die müden Crew-Mitglieder. Das zeitige Aufstehen wird jedoch mit einem wunderschönen Sonnenaufgang pünktlich zum Ablegen entschädigt. Und das zeitige Aufstehen hat auch einen guten Grund, denn die Wettervorhersagen für heute sind sportlich. Der Wind bläst kräftig aus Südwest und dazu hat sich über dem Greifswalder Bodden eine Welle aufgebaut, die unsere Boote ordentlich durchschüttelt. Bevor die dicken Böen mittags kommen, wollen wir wieder sicher im Hafen sein. Als der Wind immer lauter durch die Masten pfeift ist die einstimmige Meinung im Hafen: alles richtig gemacht und trotzdem hat es Spaß gemacht, mit 9.5 Knoten Spitzengeschwindigkeit über den Greifswalder Bodden zu segeln.
Pünktlich 13.15 Uhr sind alle 7 Boote in Thiessow im Hafen fest und Conny und Jens können die Vereinsausfahrt mit Sekt und Fettbemmchen eröffnen. Im Fischladen Leuchtfeuer findet der Abend bei leckeren Fischbrötchen und kühlem Bier einen schönen Ausklang. Passend dazu gibt's Live-Musik von einer Leipziger Band.
Am Abend wurde Thomas dann noch höchstpersönlich von einer Möwe gesegnet. Wenn DAS mal kein Glück bringt! Die nächste Woche kann eigentlich nur gut werden!
Samstag: 7:30 Uhr, der Wind pfeift durch die Masten und singt uns ein Morgenlied. Bei 5, Böen 6 Windstärke und Wellen schaffen wir den Weg gegenan bis Greifswald leider nicht. Spontan wie wir Segler sind, wird der Eröffnungssekt auf morgen Mittag in Thiessow verschoben.
Zeit genug für einen entspannten Spaziergang ins Nachbardorf Freest, der mit frischem Räucherfisch, Kaffee, Kuchen und Hopfenkaltschale belohnt wird.
Auf den Charterbooten läuft derweile die Anreise, die Boote werden übernommen, Gepäck verstaut und erste Probeschläge gesegelt.
Am Abend gehts für alle zeitig in die Kojen. Die Windvorhersage für morgen macht uns alle zu (unfreiwilligen) Frühaufstehern.
Freitag: Wenn man es so will, beginnt unsere Reise quasi schon im Dezember 1951: in der Elbterasse in Wachwitz sitzen einige segelbegeisterte Männer zusammen und beschließen, es braucht einen Verein in Wachwitz. Der Grundstein für eine lange Segelgeschichte ist gelegt.
75 Jahre später ist viel Wasser die Elbe herunter geflossen. Segelbegeisterte gibt's in Dresden weiterhin zahlreich und das Jubiläum will gebührend gefeiert werden.
Ein Törn rund Usedom solls werden mit angenehmen Wind und viel Platz zum Segeln, wahlweise mit eigenem Boot oder gechartert. Offizieller Start ist morgen in Greifswald. Für die 2 Mannschaften mit eigenen Booten beginnt die Reise schon eher. Ab Anklam geht's mit achterlichem Wind Richtung Kröslin. Mit der Morgensonne zusammen passieren wir die Brücke Zecherin. Den Rest des Weges können wir unter Segeln absolvieren und sind pünktlich zur Mittagsbrücke in Wolgast. Mit uns warten noch 2 große Frachtschiffe, am Ende passen aber alle heile durch. In Krösslin angekommen treffen wir auf Mandy und Tobi, die den Weg bereits gestern zurück gelegt haben.
Am Abend werden dann gemeinsam die Wetter- und vor allem die Windvorhersagen analysiert und die nächsten Tage geplant. Wir hoffen auf guten Wind und eine schöne gemeinsame Woche.